Farbcode nach Jeff Cooper

Mein heutiger Artikel handelt von dem Farbcode nach Jeff Cooper. Ursprünglich für die U.S Marines erstellt, kann der Farbcode nicht nur in Krisensituationen, sondern auch im normalen Leben, so wie zur Ausbildung verwendet werden.

Ein Beispiel dessen wäre eine mögliche Verwendung beim Kommunikationstraining von Angestellten in einer Support-Hotline. Ein mögliches Vorgehen beschreibe ich auf den folgenden Seiten.

Wer ist Jeff Cooper?

Die Frage müsste lauten: Wer war Jeff Cooper. Der Mensch ist nämlich bereits 2006 verstorben. Kurz umrissen war Jeff Cooper ein Soldat, welcher sich stark für die Verbreitung von Pistolen in den USA eingesetzt hat. Seine Devise lautete, dass jeder U.S Bürger mindestens eine Pistole am Mann tragen sollte.

So kam es dazu, dass er nicht nur selber Waffen modifizierte, sondern sie auch komplett neu entwickelte. Einer seiner Modelle war die Bren Ten 10 mm Pistole, sowie ihre Munition.

Cooper verfasste mehrere Bücher. Nicht nur zum Bereich Waffen und Selbstverteidigung, sondern auch eher autobiografische Werke wie “To Ride, Shoot Straight and Speak the Truth (1998)”. Einigen Metallern und Waffenfans dürfte dieses Taschenbuch durchaus ein Begriff sein.

Sein Aussehen, seine Einstellung und seine Lebensweise ist so ziemlich genau so, wie ich mir einen typischen Amerikaner Marke “Full metal Jacket” vorstelle.

Auch wenn ich persönlich nicht wirklich viel von seinen Ideologien halten und ihm in einigen Punkten widersprechen muss, halte ich seine Taten (Seine Person kenne ich ja nicht) und sein Know How durchaus für beachtenswert. Daher adaptierten viele auch seine Verfahrensweisen und mischten sie ins normale Leben. So wie ich heute.

Der Jeff Cooper Farbcode

Der Jeff Cooper Farbcode ist ein für U.S Soldaten ausgelegtes Beispiel der psychischen Einstellung zur aktuellen Situation, sowie den Grad der Achtsamkeit der man ihr zukommen lässt.Farbcode

Dieser Farbcode lässt sich nicht nur auf den Alltag, sondern auch zu Ausbildungszwecken verwenden. Im nachfolgenden Zeige ich einige Beispiele zur Erläuterung des Codes und wie man ihn Zweckentfremden kann.  Mir ist durchaus bewusst, dass die Pyramide die Farben verkehrt herum hat. Ich möchte so allerdings sowohl die Gefahr der Situation, als auch das “Volumen” der benötigten Aufmerksamkeit darstellen.

Bedeutungen der Farben

Die Farbtabelle dient der vereinfachten Darstellung der Stresslevel bzw. Aufmerksamkeitsmustern der wir uns hingeben. Die Konsequenz des Blackouts ist immer gegeben, egal ob wir nun die Farbtabelle kennen oder nicht. Wichtig ist es, sich darauf vorzubereiten. Die Farbtabelle hat übrigens nichts mit dem Terror-Einschätzungssystem der U.S.A zu tun wie es vielleicht anmuten lässt. Alarmstufe Rot ist etwas anderes. Diesem Fehlgedanken bin ich allerdings auch zunächst aufgesessen.

Ursprünglich

  • Weiß – Unachtsam. Eine Konfrontation oder ein Angriff kann nur durch die Unzulänglichkeit des Angreifers überlebt werden.
  • Gelb – Entspannt aber Achtsam. In diesem Status wird eine Gefahr erwartet, jedoch nicht für Möglich gehalten. Man achtet auf gefährliche Situationen und ist mental darauf vorbereitet, dass heute irgend etwas passieren kann. Es ist nicht “Heute werde ich schießen” sondern “Heute könnte ich schießen müssen”. An dieser Stelle wird häufig der Vergleich zum Auto fahren genannt, da man auch hier stärker auf seine Umgebung achtet als gewohnt.
  • Orange – Spezifisch alarmiert. Etwas hat sich verändert, eine Situation wurde geschaffen in der eine potentielle Bedrohung beobachtet werden muss. Die Waffe ist dabei noch im Holster
  • Rot – Die potentielle Bedrohung hat sich als Bedrohung herausgestellt. Du bist bereit zum schießen.

Grundsätzlich sollte jede Phase durchlaufen werden bevor es zur roten Ebene geht. Man ist erst achtsam –> erkennt eine Gefahr –> Man bereitet sich auf diese Vor und agiert am Ende. Springt man jedoch von Gelb oder Weiß unverhofft und unvorbereitet auf Rot, so kommt es zu…

  • Condition Black –  Der Blackout. In der Farbtabelle Jeffs ist der Blackout nicht aufgeführt, sehr wohl jedoch bei den Marines. Der Grund ist, dass Condition Black keine psychologische Einstellung sondern ein Verhaltensmuster ist. Meiner Meinung ist das Haarspalterei. Der Blackout darf nicht vergessen werden, da er sowohl Vor- als auch Nachteile bietet.

Zu Condition Black / Dem Blackout

Beschreibung

Unglücklicherweise kennen wir alle den Begriff Blackout. Hier ist jedoch nicht die temporäre Unzulänglichkeit des Nachdenkens gemeint, wie es bei Prüfungsängsten der Fall wäre, sondern die tatsächliche Denkfähigkeit. Diese wird ausgeschaltet. Es gibt kein Vorher, kein nachher. Keine Aktion und Reaktion nur noch der pure Instinkt dominiert das System. Hier spielt die Genetik eine Rolle denn jeder Mensch hat in Extremsituationen ein angeborenes und nicht trainierbares Verhaltensmuster. Kampf oder Flucht.

Kampf oder Flucht?

Jedem Menschen ist genetisch ein “Backup-Plan” hinterlegt worden. Dieser entscheidet darüber ob man im Ernstfall flieht oder kämpft. Man hat dort keinen Einfluss drauf. dieser Backup-Plan greift auch in Condition Black. Das Problem ist, dass sowohl Kampf als auch Flucht unter Umständen die falsche Option sein könnten, wenn man nicht vorher darüber nachdenkt. Nun schätzt man sich gerne falsch ein und behauptet “Ja, klar. Ich bin ein Kämpfer.” Das wollen viele so, sagen auch viele aber viele (etwa 50%, wer hätte es gedacht?^^) werden dennoch die Flucht ergreifen. Aber wie weiß man denn nun genau welchen Typ man hat?

Es gab bei diversen Ausbildungen im Prepper-Bereich eine Möglichkeit die Feinjustierung des Fluchtinstinktes zu überprüfen. Dazu muss man jedoch bis zu seiner Leistungsgrenze und darüber hinaus gehen.

Der menschliche Körper sendet Erschöpfungserscheinungen und Übelkeit bei ca. 30% der maximalen Leistungsfähigkeit aus. Das ist natürlich von Person zu Person ein wenig unterschiedlich. Der Kopf spielt dann nicht mehr mit und sagt: Das war’s, ich kann nicht mehr! Dies ist der so genannte tote Punkt. Diesen kann man jedoch überschreiten und fühlt danach keine Schmerzen. Im Gegenteil. es werden Glückshormone, Dopamin, Leptin und Adrenalin ausgeschüttet. Läufer kennen so etwas als “Runners High”.

Der zu testende darf dieses Runners High nicht kennen bzw. nie wirklich bewusst erlebt haben. Sonst funktioniert der Test nicht, da er seine wahren Grenzen kennt.

Durch “Extremleistungen” wird der Körper mit Hormonen und Sauerstoff überschwemmt. Kurz vor Erreichen des Runners High sollte eine sehr kurze Ruhephase erfolgen. In dieser Phase (maximal 1 Minute) wird im Körper der Adrenalinspiegel gesenkt und die Ausschüttung von Melatonin beginnt. In dieser Zeit muss der testende angegriffen werden. Optimal durch eine seiner Ängste. Zombies, Werwölfe, andere Monster. Natürlich in Kostüm. Jason mit einer Kettensäge ist ungünstig, da hier die meisten einfach abhauen würden. Kleintiere und Spinnen sorgen für den selben Effekt. Es muss angreifbar sein.

Durch den plötzlichen Schrecken wird stoßhaft Adrenalin ausgeschüttet was, in Verbindung mit den Anstrengungen, zu einem ähnlichen Hormoncocktail führt wie es in einem Blackout der Fall wäre. Durch die plötzliche Zufuhr diverser Stresshormone wird subjektiv das Runners High ausgelöst, was den Körper instinktiv entweder zum Angriff oder zur Flucht zwingt.

Vorsicht bei Schusswaffen!  Jeder Mensch der elementare Ahnung von Schusswaffen hat wird sofort abdrücken! Egal welches Verhaltensmuster er sonst an den Tag legt. Grund dafür ist das Unterbewusstsein, welches mit einer Schusswaffe automatisch Macht und Schutz verbindet. Daher auch meine Warnung an dieser Stelle.

Im Privatleben

Im Privatleben kann man das Farbcode relativ einfach umsetzen. Die folgende Liste dient dem Beispiel. Es ist nicht zu 100% übersetzbar. Alleine die Tatsache, dass man auch zuhause auf etwaige Alarmsignale, wie dem Feueralarm, horcht, zeigt, dass die Farbleere eher als Leitfaden verstanden werden sollte.

  • Weiß – Zuhause in gewohnter und sicherer Umgebung. Keine Gefahr und Menschen denen man (üblicherweise) vertrauen kann.
  • Gelb – Sobald man das Haus verlässt. Man bleibt aktiv und beobachtet seine Umgebung. Man achtet auf mögliche Gefahren wie den Straßenverkehr oder die Straße vor sich.
  • Orange – Ein Wagen mit durchdrehenden Reigen kommt in deine Richtung oder eine Gruppe betrunkene schaukelt laut grölend auf dich zu. Du machst dich innerlich zur Flucht oder zum Kampf bereit – schätzt Schwächen ab.
  • Rot – Das Auto rast genau in deine Richtung. Du handelst indem du zur Seite springst. Die Horde betrunkene ist aggressiv und Gewalttätig. Du flüchtest oder kämpfst.
  • Blackout – Du biegst in eine Gasse und stehst unvermittelt einem Mann mit einem Messer gegenüber der wild fuchtelnd schreit, dass du ihm deine Geldbörse geben sollst. Blackout – Kein Denken mehr. Kein vorher und kein Nachher. Nur noch das jetzt und das durch deine Gene und deinen Instinkt bestimmte verhalten. Endet meist eher unschön für eine der beiden Parteien.

In einer Krisensituation

Bei einer lang anhaltenden Flucht oder Krise kann es vorkommen, dass die Psyche nicht mehr mit machen will. Auch hier kann man das Farbcode anwenden um den eigenen Gedanken eine gewisse Richtung zu geben und nicht Depressiv zu werden. Dazu wird das Farbcode jedoch modifiziert und ist Teil eines Artikels meiner Krisenvorsorge – Artikelreihe. Hier beschäftigen wir uns mit dem Farbcode als Hilfsmittel um nicht vollkommen paranoid zu werden.

§40 “Wenn es wirkt, als ob jemand hinter dir her sei, ist er das.”
„Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind.“

  • Weiß – In einer Krisensituation ausschließlich während des Schlafes möglich.
  • Gelb – Dauerbelastung. Halte immer die Augen und Ohren offen. Achte auf Umgebungsgeräusche und Tiere. Ist es plötzlich still – sei besonders achtsam.
  • Orange – Du hast eine Gefährdung entdeckt, hast aber noch genügend Zeit und wurdest nicht entdeckt. Prüfe deine Umgebung und taktische Situation. Willst du gegebenenfalls einen Hinterhalt legen oder dich besser verstecken? Bereite dich auf Kampf oder Flucht vor und packe zusammen.
  • Rot – Konkrete Gefahrensituation. Du wurdest entdeckt und beschossen oder anders angegriffen. Kampf oder Flucht.
  • Blackout – Tod. Wenn nicht sofort, dann später. Du handelst instinktiv und nicht mehr langfristig denkend. Die Chancen einen Blackout in einer wahren Krisensituation zu überleben stehen gering.

Ich ziehe hier hauptsächlich Erfahrungen von Krisenopfern und Überlebenden von Katastrophen in Betracht. Ich selbst befand mich nicht in einer lang anhaltenden Krisensituation, weiß aber, dass beim Verteidigungsschießen und erweiterten Kampfausbildungen ein ähnliches System verwendet wird. Die Menschen berichteten, dass das System der Psyche durchaus helfen konnte.

In einer Hotline

Hotline Farbcode

Ich selbst arbeitete in einer Support-Hotline und weiß daher, dass sich dieses Verfahren gerade für Anfänger durchaus eignen kann um die Ruhe zu bewahren. Ich skizziere kurz die Rahmenbedingungen:

Hotliner ist relativ neu und unerfahren. Nervös.

Die Telefonie ist ausgeglichen. Im schnitt 1 Anruf alle 5 Minuten pro Mitarbeiter.

Es wird hauptsächlich PC-Support geleistet. Die Telefone lassen sich nicht mit einem PC bedienen und können manuell stumm geschaltet werden.

Es gibt keine Anrufererkennung, jedoch werden die Telefonnummern übermittelt.

Klappe und Action:

  • Weiß – Unser Mitarbeiter sitzt ruhig und gelassen vor seinem Telefon, spielt Candy Crush und schaut nebenher ein Video von Brackfllo. Mittagszeit.
  • Gelb – Die Pause ist vorbei. Der Quälkasten wird wieder auf aktiv gesetzt und Anrufe können ankommen. Unser Mensch bereitet die Arbeitsumgebung vor. Er prüft vorhandene Störungen und aktuelle Tickets.
  • Orange – Es klingelt. Unser Hotliner prüft die Nummer. Niemand bekanntes. Es wird durchgeatmet und ans Telefon gegangen.
  • Rot – Kunde ist sehr aggressiv und meldet irgendwelche Problemchen. Hier könnte man den Spaß mit den Farben erneut anfangen. Gelb –> Benutzer beruhigen und das Problem erfragen –> Orange – User ist nicht zu beruhigen, kann aber das Problem schildern –> Rot – User ist nicht zu beruhigen und WILL/KANN das Problem nicht schildern.
  • Blackout  – Überfordert. Hotliner kann keine passende Lösung finden und reagiert wahlweise stark schüchtern oder seinerseits aggressiv. Dieser Status sollte definitiv vermieden werden.

Ich hoffe es ist einigermaßen klar geworden was ich damit meinte. Auf diese Art und Weise können Teamführer (In einer Krisensituation) auch feststellen wie es seinen Gruppenmitgliedern geht. Durch die Anwendung des Farbcodes kann dieser entscheiden ob alles OK ist, oder sich Probleme anbahnen. Ein dauerhafter Orangener Zustand führt unweigerlich zu Depressionen und/oder Aggressivität und Paranoia.

Farbcode! – Ich hasse Google -.-


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